Donnerstag, 2. April 2009Auch für Google ist geteiltes Leid halbes Leid
Google liebt das Teilen, so scheint es zumindest. Im Mai 2008 startete Google Health, ein Versuch, Gesundheitsakten zu digitalisieren. Nun haben die Leute hinter diesem ehrgeizigen Projekt, eine neue Funktion eingeführt, die es den Usern gestattet, ihre Online-Krankenakten mit ausgewählten Spezialisten, Verwandten und Freunden zu teilen, wie CNET berichtet hat. Zunächst wird dieser Service wie auch Google Health nur in englischer Sprache angeboten.
Sharing mit Google Health ist ganz einfach. Man muss nur die E-Mail-Adressen von denjenigen angeben, die man an seiner medizinischen Vorgeschichte, seinem derzeitigen gesundheitlichen Befinden und Behandlungen teilhaben lassen will, dann sendet Google diesen Personen das Profil zu. Dieser Schritt, der private Krankenakten schneller verfügbar für andere machen soll, hat natürlich bei vielen Google-Skeptikern erneut Öl ins bereits lodernde Feuer gegossen.
Google verteidigt seine Strategie und betont die strengen Sicherheitsmaßnahmen, die getroffen wurden, um die sensiblen Daten zu schützen. Google besteht darauf, dass man so „verantwortlich mit seiner Gesundheit“ umgeht und dass der Link zu den Profilen der Patienten nur in Verbindung mit deren E-Mail-Adressen funktionieren würde, aber nicht wenn die E-Mail an eine dritte Person weitergeleitet werden würde. Desweiteren wird die schnelle Verfügbarkeit wichtiger medizinischer Daten als lebensrettend in Notfällen gesehen.
Neben den üblichen Spekulationen rund um Googles Angebote hat vor allem die Notwendigkeit der neuen Applikation Fragen aufgeworfen. Die Vorteile sind natürlich unbestritten. Um die Daten im Notfall zur Hand zu haben, muss der User diese jedoch nicht nur bei Google Health eingeben, sondern sein Profil auch regelmäßig aktualisieren, um die Exaktheit zu gewährleisten. Google erlaubt es auch, die Daten auszudrucken, um diese zum Beispiel im Portemonnaie mit sich zu führen. Solange dieser Ausdruck jedoch auch hier nicht regelmäßig erneuert wird, helfen die Informationen im Notfall, den Google immer wieder hervorhebt, herzlich wenig.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der gemailte Link, der nur 30 Tage gültig bleibt. Google besteht darauf, dass dieses Vorgehen aus Sicherheitsgründen geschieht. Der zeitlich begrenzte Zugang wirft allerdings Fragen nach der Langzeittauglichkeit der Applikation auf. Wenn man also nicht einplant, seinen Freunde und der Familie monatlich einen Link zu seiner Krankenakte zu schicken, bringt die Anwendung relativ wenig.
Vor allem stellt sich die Frage, worauf Google mit diesem neuen Service genau abzielt? Natürlich liegen die Vorteile auf der Hand, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass die Zusammenarbeit zwischen Patienten und verschiedenen Ärzten und Spezialisten erheblich erleichtert werden könnte. Aber geht es wirklich nur um das Wohl des Patienten?
Auf jeden Fall steht das Projekt Google Health nicht alleine da, der „Medical Records Service“ von Microsoft heißt HealthVault. Interessanterweise hat Präsident Obama, der gerade versucht durchzusetzen, dass im Zuge der Reform des amerikanischen Gesundheitssystems Krankenakten digitalisiert werden, mit leiser Kritik aus der Online-Branche zu kämpfen, zum Beispiel seitens Peter Neupert von Microsoft. Der frühere Chef der Online-Apotheke Drugstore.com, ist jetzt bei der Healthcare Unit von Microsoft. Er warnt laut CNET News davor „dass die Regierung Millionen dafür ausgibt, das Gesundheitswesen zu digitalisieren.“ Neupert rät, „man sollte nicht einfach Geld für Technik per se ausgeben, sondern sich darauf fokussieren, ob auch das dabei herauskommt, was man will.“ Vielleicht haben Google und Microsoft also neben dem Wohl der Patienten auch noch etwas ganz anderes im Auge – vielleicht die Hoffnung auf einen lukrativen Auftrag zur Digitalisierung von Millionen von Patientenakten, den man mit dem bereits gewonnenen Know-how an Land ziehen könnte?