Montag, 30. März 2009Carol Bartz spricht über Suchmaschinen, Social Networks und Microsoft

Seit sie Mitte Januar zum neuen CEO von
Yahoo! ernannt wurde, hat Carol Bartz sich nicht groß geäußert, welche genauen Pläne sie für die kränkelnde
Suchmaschine hat – bis jetzt. Gleich nach dem Blog-Post zur Umstrukturierung des Managements sprach Bartz gestern auf ihrer ersten Investoren-Konferenz in San Francisco.
Auf der Morgan Stanley Technology Conference hatte die neue Yahoo!-Chefin einiges über Suchmaschinen an sich und darüber wie Yahoo! diese Google-dominierten Zeiten meistern kann, zu sagen. Bartz vertritt die Position, dass Yahoo! seine Suchdaten analysieren muss, um die Suchabsichten der User besser zu verstehen. Da Lösungen wie die semantische Suchmaschine „Powerset“ von Microsoft immer gefragter werden, wird der Fokus auf die Suchenden in Zukunft immer wichtiger werden. Bartz Entschluss, sich den User-Daten künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken, könnte sich noch als großer Vorteil gegenüber den Rivalen erweisen, wenn diese Daten effektiv genutzt werden.
Für Gesprächsstoff sorgte Bartz auch, als sie nach neuen Verhandlungen mit Microsoft gefragt wurde. Nachdem Microsofts Angebot über 33 Dollar pro Yahoo!-Aktie im letzten Jahr nicht von Erfolg gekrönt war, waren die beiden Unternehmen permanent Gegenstand von Gerüchten bezüglich neuer Verhandlungen. Nachdem im November der SEM-Deal von Yahoo! und
Google geplatzt ist, meinte der frühere Yahoo! CEO Jerry Yang, dass der Kauf von Yahoo! „das Beste“ für Microsoft sei, auch wenn die Anteilseigner den Deal einige Monate zuvor zurückgewiesen hätten.
Obwohl sie es ablehnte, auf der Morgan Stanley-Konferenz Kommentare zu Verhandlungen mit Microsoft abzugeben, war Bartz weit davon entfernt, etwas zu dementieren. Investoren gegenüber äußerte sie: „Ich habe [Steve Ballmer] gesagt, dass ich nicht mit ihm und 30.000 anderen verhandle. Ich werde diskret verhandeln. Falls sich etwas ergibt, werden Sie es erfahren.“
Bartz schob auch Spekulationen einen Riegel vor, bezüglich der Entwicklung eines eigenen Social Networks durch
Yahoo!, indem sie bestimmt klarstellte: „Ich glaube nicht daran, dass wir das neue Facebook erfinden können.“ Jedoch meinte sie auch, dass Yahoo! Applikationen bieten müsse, die mit den Top-Seiten wie Facebook oder Twitter mithalten und an diesen teilhaben können. Hoffentlich werden diese neuen Angebote besser abschneiden als Yahoo! Mash, ein Social Network Service im Beta Modus, der im September 2007 gelauncht wurde, allerdings schon ein Jahr später wieder aufgegeben wurde.
Weiter behauptete Bartz, dass sie besonders auf die Zukunftspläne von Yahoo! für die E-Mail-Services gespannt sei und ungeduldig auf den neuen Service warte. Jedoch scheint diese freudige Erwartung nicht für alle Yahoo! Produkte gleichermaßen zu gelten. Als sie nach Yahoo! Maps gefragt wurde – ein Service, der von Googles großem Angebot an Online-Mapping-Tools klar übertroffen wird – war ihre Antwort einfach: „Ich nutze Yahoo! Maps nicht. Ich nutze Google Maps.“ Mit diesem Statement gewinnt sie sicher nicht die Herzen der Developer von Yahoo! Maps. Diese Direktheit und brutale Ehrlichkeit von einer außenstehendem Standpunkt könnte Yahoo! aber genau so aufrütteln, wie es wahrscheinlich nötig ist.