Dienstag, 30. Dezember 2008Eigene Innovationen helfen Yahoo! aus der Talsohle
Von Stefan Benaburger, Teamleader Editorial
Es waren ja jüngst turbulente Monate für
Yahoo! Die Suchmaschinen-Betreiber aus Kalifornien gingen durch ein Mediengewitter; jeden Tag gab es neue Schlagzeilen über Yahoo! zu lesen – leider nur selten positiven Inhalts. All diese Nachrichten, angefangen mit der Ankündigung von Entlassungen über den gescheiterten Google-Deal bis hin zum Rücktritt von Jerry Yang als CEO, breiteten sich wie Radioaktivität aus und kontaminierten Wirtschaftszeitungen, die
Blogosphäre und selbst die Aktionärsversammlungen. Aufgrund dieser ganzen Untergangsszenarien über die kalifornischen Suchmaschinenbetreiber rutschte nicht zuletzt auch deren Aktienkurs in den Keller, so dass aus den anfänglichen, leichten Erschütterungen auf einmal ein richtiges Erdbeben wurde.
Betrachtet man all diese negativen Schlagzeilen, so kann man sich kaum einen strahlend blauen Himmel über der Yahoo!-Zentrale vorstellen. Und obwohl, oder gerade weil, die Zukunft von Yahoo! auf dem Prüfstand steht, enthüllte der Suchmaschinenbetreiber nun die letzten Geheimnisse über die neue „Open Strategy“-Politik von Yahoo!
Auf einer Pressekonferenz hat man die neue Strategie dann vorgestellt, die im Wesentlichen beinhaltet, dass man sich wieder auf die Kernbereiche konzentriert, vor allem auf Yahoo!Mail, auf My Yahoo! und auf die Yahoo!-Medien-Seiten. Am meisten Aufsehen erregte die Tatsache, dass die rund 275 Millionen Nutzer von
Yahoo Mail künftig mit einer neuen Startseite begrüßt werden. Dabei handelt es sich um weit mehr als nur reine Kosmetik, denn aus dem bisherigen Mail-Service soll nun eine Social-Plattform à la Facebook werden. Dabei wird sich alles um „connections“ drehen. Ähnlich wie bei „facebook friends“ können E-Mails, Informationen und Aktivitäten der eigenen Kontakte angezeigt werden, die für die jeweiligen Nutzer wahrscheinlich die wichtigsten Nachrichten bedeuten dürften. So wird der User schnell über Updates seiner Freunde informiert, über neue Fotos, neue Musik und vieles mehr.
Darüber hinaus hat Yahoo! auch die Applications von Drittanbietern in seinen E-Mail-Dienst integriert, so dass Nutzer beispielsweise direkt auf Portale wie beispielsweise Flickr zugreifen können. Da man diese Schnittstellen nun offenlegt, können auch weitere Fremdanbieter ihre Applikationen in Yahoo!- Mail integrieren.
Zusätzlich zu dem neuen Mail-Interface hat Yahoo! auch den Look von MyYahoo verändert, einer individuell konfigurierbaren Startseite, ähnlich wie iGoogle. Beide Services erlauben es den Usern verschiedene Applications einzubinden, doch im Unterschied zu iGoogle ist es bei MyYahoo möglich, die Applications auch über die Plattform hinaus anzuwenden.
Über diese Neuerungen hinaus, die Yahoo! endlich einmal wieder positive Nachrichten bringen könnten, muss man aber auch so fair sein und konstatieren, dass die
Suchmaschine aus Kalifornien auch mit ihren anderen neuen Entwicklungen wie Search Monkey und BOSS großen Erfolg verzeichnen kann. BOSS konnte zum Beispiel bereits 10 Mio. Suchanfragen an einem Tag registrieren und steht gerade mal am Anfang seiner Bekanntheit.
Yahoo! wurde gerade wegen seiner mangelnden Innovationskraft in der Vergangenheit stark kritisiert, vor allem auch im Vergleich zum Erzrivalen
Google. Betrachtet man die neuesten Entwicklungen, so haben die Suchmaschinen-Betreiber aus Sunnyvale dies mittlerweile eindeutig wiederlegt. Und wer weiß, was man im sonnigen Kalifornien noch so alles in petto hat?