Freitag, 6. März 2009

Google nimmt an EU Kartellverfahren gegen Microsoft teil

6. März 2009
Stefan Benaburger, Teamleader Editorial


Als ob die Veröffentlichung von Chrome, Google Apps und Android noch nicht genug waren, um Microsoft eins auszuwischen, will Google nun auch an dem Kartellverfahren der EU gegen Microsoft teilnehmen.

Laut Googles eigenem Blog will man „als neutrale Partei“ an dem Verfahren gegen den Softwaregiganten teilnehmen, um die „Nutzerinteressen zu verteidigen“ und dem Verfahren einen „weiteren Blickwinkel hinzufügen“.

Das ist nicht das erste Mal, dass Microsoft in Konflikt mit der EU gerät: 2007 musste das Unternehmen 497 Millionen Euro Strafe zahlen und 2008 wurden weitere Zahlungen in Höhe von 899 Millionen Euro erhoben, wegen wettbewerbsfeindlicher Praktiken. Der aktuelle Streit dreht sich um die Integration des MS Internet Explorers im Windows Betriebssystem. Letzten Monat kam die EU Kommission hier zu dem vorläufigen Urteil, dass diese Praxis dem Wettbewerb zwischen den verschiedenen Internet Browsern schadet, Innovationen untergräbt und vor allem die freie Produktauswahl für den Kunden schmälert.

Der Vize Präsident im Produktmanagement bei Google, Sundar Pichai, sagte, dass das Unternehmen aus drei verschiedenen Gründen als neutrale Partei an dem Verfahren teilnehmen möchte: „Erstens, weil Browser unumgänglich für das Internet sind, zweitens, weil Google der Ansicht, dass der Browsermarkt weitgehend noch nicht konkurrenzfähig ist und drittens, weil wir glauben, dass wir etwas zu dieser Diskussion beitragen können.“

Nach Aussage von Google, wäre der Blickwinkel des Unternehmens – das auch die Vermarktung des eigenen Browsers Chrome im Auge hat – von großer Bedeutung, um der EU Kommission zu helfen, das Internet nutzerfreundlicher zu gestalten und dem Konsumenten mehr Auswahl zu bieten.

Wer mit den Scharmützeln zwischen Google und Microsoft vertraut ist, dem wird es ein Leichtes sein, die wirklichen Motive Googles zwischen den Zeilen herauszulesen. Als man 2007 zum Beispiel DoubleClick kaufte, kam von Microsoft postwendend der Vorwurf, ebenfalls wettbewerbsschädigend zu sein. Gleiches Szenario auch, als Google und Yahoo! gemeinsame Sache im Paid-Search-Bereich planten. Um jedoch ein langes Gerichtsverfahren zu vermeiden, machte Google hier einen Rückzieher.


Weiterer Grund für die Anteilnahme Googles an dem Kartellverfahren: Bisher erwies sich jeder Schlag gegen den Internet Explorer als Vorteil für den Googlebrowser Chrome. So zeigen auch aktuelle Statistiken, dass der IE im Januar 2008 noch 75 Prozent der Browsermarktanteile kontrollierte. Firefox und Safari folgten mit respektablen 17 und 6 Prozent. Mittlerweile ist der Marktanteil des IE auf 68 Prozent gesunken. Dagegen die Anteile von Firefox und Safari auf 22 beziehungsweise 8 Prozent gestiegen. Chrome kann als Newbie lediglich etwas über ein Prozent Anteile aufweisen.


Im Endeffekt würde ein Schuldspruch gegen Microsoft sicher von Vorteil für Googles Chrome, Firefox und andere Konkurrenten von Microsoft sein.

Der Browsermarkt entwickelt sich schnell. Gerade wird eine neue Google Toolbar für den IE eingeführt, und Apple bringt seine neue Version von Safari auf den Markt. Sicherlich werden die Browseranbieter nicht warten bis sich die EU Kommission auf ein Urteil zu ihrem Vorteil entschieden hat oder nicht. Sicher ist, dass die Schlacht um die Browser gerade erst begonnen hat.
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