Donnerstag, 2. April 2009

Google wird literarisch

Google wird literarisch Wenn ein Internet-Gigant in einem kleinen Provinzblättchen eine kleine Werbeanzeige schaltet, würde das nach allgemeiner Auffassung eine Mischung aus Aufregung und Stolz hervorrufen. So geschehen, als bei den polynesischen Cook Island News eine Buchung von Google über eine halbseitige Werbeanzeige rein kam.

Der verblüffte Redakteur John Woods meinte dazu: „Wir waren völlig überrascht. Die Anfrage kam aus heiterem Himmel.“ Die Anzeige bringt dem Inselblatt 370 zusätzliche Dollar ein, was allerdings für Google „Portokasse“ bedeutet, angesichts des gesamten Print-Werbebudgets von sieben Millionen Dollar.

Diese eigentümliche Google-Anfrage hat ihren Ursprung in einem Bundesgerichtsurteil, das eine Gruppe von Autoren und Verlegern gegen Google erwirkt hat, berichtete die New York Times dazu. Diese Gruppe reagierte mit ihrer Klage auf die Ankündigung von Google, jedes existierende Buch einzuscannen und zu digitalisieren und damit die größte existierende Online-Bibliothek zu erschaffen – die Google Book Search.

Die Gruppe beschloss dagegen vorzugehen und mahnte vor allem Urheberrechtsverletzungen als den Haupt-Anklagepunkt in Googles literarischem Masterplan an.

Als Teil eines Abkommens plant Google jetzt „ein System einzuführen, in dem Leser Gebühren bezahlen müssen, wenn sie ein urheberrechtlich geschütztes Buch lesen möchten. Sowohl der Inhaber des Urheberrechts als auch Google würden einen Anteil erhalten.“, berichtet die New York Times.

Zuerst muss Google jedoch noch einige Hindernisse aus dem Weg räumen: Wie bekommt man das Urheberrecht für jedes Buch, das jemals gedruckt wurde? Und stellt jede gescannte Version eine neue Auflage dar, wie die modernen Verlagsstandards annehmen?

Natürlich kann Google die Umsetzung des Plans noch nicht garantieren. So wurde ein automatisches Opt-in System eingeführt, mit einer leicht zu handhabenden Opt-out-Option, wenn der Autor dies wählen möchte.

Hinter der Anzeige in den Cook Island News und weiteren ähnlichen in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen weltweit in über 70 Sprachen steht Googles Absicht, seine Pläne bekannt zu machen. Die New York Times stellt heraus, dass „dies das mindeste sei, das getan werden muss… die Betroffenen müssen informiert werden.“

Neben den Print-Anzeigen wird parallel eine riesige Online-Kampagne laufen, um die Vereinbarung in 36 Sprachen genau zu erklären: eine eigene Website über das Projekt – viel eher Googles Domäne – und eine Mail-Kampagne.

Wenn nur 30 Prozent der Bücher, die in den USA veröffentlicht wurden, gescannt werden, hat Google genug zu tun – hoffen wir, dass den Mitarbeitern nicht bald langweilig wird.
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