Dienstag, 2. Dezember 2008Jerry Yang tritt als CEO von Yahoo! ab
Es war ein stürmisches Jahr für
Yahoo!, das kann man wirklich so sagen. Nach Microsofts feindlichem – aber trotzdem großzügigen – Übernahmeversuch in den ersten Monaten des Jahres 2008, hatte das Unternehmen das Gefühl, dass es mit dem Abkommen mit
Google im Bereich der bezahlten Anzeigen einen sicheren Hafen gefunden hätte. Fünf Monate nach Googles Aussteigen aus dem Deal scheint das Bedürfnis nach einem Wechsel in der Führung so groß geworden zu sein, dass der CEO von Yahoo!, Jerry Yang, gestern seinen Rücktritt bekannt gab.
Die 16-monatige Ära von Jerry Jang, einem der Gründer von Yahoo!, wurde von Anfang an von ständiger Kritik überschattet. Es wird berichtet, dass Yang letzten Monat beschloss, zurück zu treten, aber noch so lange im Amt zu bleiben, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist, dann wird er als „Chief Yahoo!“ in den Vorstand überwechseln.
Roy Bostock, der Chairman von
Yahoo! kommentiert Yangs Entscheidung: „Jerry und der Vorstand haben lange darüber diskutiert, wann der richtige Zeitpunkt für Jerrys Rücktritt sei, und wir waren uns alle einig, dass jetzt der Zeitpunkt für einen neuen CEO, der die Firma weiter voranbringt, gekommen ist.“
In einer E-Mail an die Yahoo!-Angestellten am Montag drückte Yang seine große Verbundenheit mit Yahoo! aus: „Ihr wisst alle, dass ich immer lila Blut gehabt habe (die Farbe der Firma). Ich werde immer das tun, was für dieses Unternehmen das Beste ist. Ich bin sicher, dass dies der richtige Schritt ist.“
Der Schritt kommt nach einer Flut von schlechten Nachrichten für den Suchmaschinen-Anbieter. Im letzten Monat musste das Unternehmen einen niederschmetternden Gewinnrückgang von 64 Prozent für das dritte Quartal bekannt gegeben und 10 Prozent der Belegschaft kündigen. Das heißt circa 1500 Mitarbeiter haben ihren Job verloren. Kurze Zeit später kündigte Google auf Druck der US-Kartellbehörde seinen Rückzug aus der geplanten Zusammenarbeit mit Yahoo! an – ein Schritt den Yang als „enttäuschend“ bezeichnete.
Im Zuge dieser Entwicklungen hat Yang sogar vorgeschlagen, das Yahoo! von Microsoft übernommen werden solle, obwohl dies von Steve Ballmer, dem CEO des Softwaregiganten, nicht in Betracht gezogen wurde. Als Resultat war die Aktie zu Börsenschluss am 17. November 2008 nur noch 10.63 $ wert, ein historischer Tiefpunkt. Im Juni hatte Microsoft den Aktieninhabern noch die erheblich höhere Summe von 33$ geboten.
Yangs Misserfolg Yahoo! aus der Krise herauszuführen, wurde weitgehend als Schritt in die richtige Richtung für die
Suchmaschine bewertet – wer aber wird sein Nachfolger? CNNMoney ist der Meinung, dass der Kandidat vermutlich außerhalb des Unternehmens zu suchen ist und schließt Sue Decker, die derzeitige Geschäftsführerin, aus. Außerdem könnten Yahoo!s gegenwärtige Verhandlungen mit dem AOL-Besitzer TimeWarner die Entscheidung, wer den Posten bekommt, beeinflussen. Obwohl noch alles ungewiss ist, ist eines aber sicher: Der Nachfolger von Yang wird sein gesamtes Wissen und seine ganze Erfahrung einsetzen müssen, um Yahoo! auf den richtigen Weg zu bringen.