Dienstag, 31. März 2009

Web 3.0 – Suchmaschinen-Marketing profitiert von der Krise

von Stefan Benaburger, Teamleader Editorial

Web 3.0 – Suchmaschinen-Marketing profitiert von der Krise Unglaubliche 96 Milliarden Anfragen hatten im Februar 2009 alle Internetnutzer weltweit an die größten Suchmaschinen wie Google, Yahoo!, Live Search & Co gestellt. Im Februar des vorigen Jahres waren es lediglich 67 Mrd. Suchanfragen, was einer Steigerung um fast 45 Prozent entspricht. Diese Zahlen veröffentlichten jüngst die Webanalysten von comscore und sorgten damit für eine neue Aufbruchsstimmung in der Suchmaschinen-Marketing-Branche. Wo alle Welt nur noch über Finanzkrise und Rezession redet, scheint das Bedürfnis nach Informationen sprunghaft anzusteigen, denn Informationen bedeuten Sicherheit, und diese scheinen in diesen Zeiten gefragter zu sein denn je.

Auch das Userverhalten ist im ständigen Wandel begriffen. So checkt zurzeit ein typischer Informationsverarbeiter circa fünfzig Mal am Tag neue E-Mails, teilt sich der Welt 77-mal über Instant Messaging Programme mit, wie Skype und Live Messenger von Windows oder Yahoo!, und surft im Durchschnitt über 40 Web-Seiten am Tag an. Dies berichtet eine Untersuchung der Zeitmanagement-Firma rescuetime, die auf der Auswertung von 40.000 Nutzerprofilen aus der US-Berufswelt basiert. Was wie ein täglicher Informationsoverkill erscheint, soll jedoch schon bald in überschaubare Bahnen gelenkt und den Usern in maßgeschneiderten Häppchen serviert werden, prognostiziert der österreichische Informatikprofessor Herman Maurer. „Das wird geschehen über die stärkere Verwendung von Metadaten, von intelligenten Agenten, von vertikalen Suchmaschinen, wo Fachleute Informationen gefiltert und kombiniert haben, von Gigaportalen für die verschiedensten Anwendungsbereiche und von aktiven Dokumenten, die von sich aus Antworten geben können“, so Maurer über die Zukunft der Informationsstruktur im Web.

Ähnliche Entwicklungssprünge sagen auch andere Internetexperten in einem Bericht der FTD (Financial Times Deutschland) voraus. Die größten Fortschritte erwartet man dabei in der Entwicklung sog. „semantischer Technologien“ – mittlerweile auch schon Web 3.0 genannt. „Die Computer müssten endlich die Inhalte auch verstehen, die sie speichern beziehungsweise hin- und herschieben“, heißt es darin. „Erst dann werden Nutzer auf ihre Fragen tatsächliche Antworten erhalten und nicht eine mehr oder weniger passende Aufreihung von Weblinks.“

In derselben Richtung liegt auch das langfristige Ziel von Google, sich von einer reaktiven Suchmaschine hin zu einer proaktiven Antwortmaschine zu entwickeln. Die User sollen normale Fragen stellen können, die dann mit dem gesamten Weltwissen im Hintergrund beantwortet werden. Der Wettlauf um die beste semantische Technologie ist mittlerweile im vollen Gange. Neben dem britischen Wissenschaftler Stephen Wolfram mit „Wolfram Alpha“ verfolgen auch deutsche Forscher eine ähnliche Zielsetzung. Das IT-Forschungsprojekt „Theseus“ will den Dialog zwischen Mensch und Maschine entscheidend verbessern und dafür eine multimodale Benutzeroberfläche entwickeln, die Sprache und Gestik erkennen soll. Eine integrierte, semantische Schnittstelle wandelt dann eine gesprochene Anfrage in einen semantisch korrekten Datensatz um.
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